Jede Kultur basiert auf einem Zugewinn an preiswerter Energie. In früheren Kulturen lag der Energiegewinn im Zugewinn von Arbeitern, und so war das Kriegsziel nicht nur die Eroberung von Land und Nutztieren sondern ebenso wichtig war die Eroberung von Sklaven für die Verrichtung jeglicher Arbeit, vom Rudern der Galeren über Feldarbeit bis zu jeglichen Arbeiten in den Städten. Auch Naturkräfte wurden genutzt, Wasser und Wind für den Transport, Wind für Mahlen der Getreide.

Kennzeichen der industriellen „Revolution“ im 19. Jahrhundert war, dass menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt wurde. Die Energie, mit der die Maschinen betrieben wurden, wurde zunächst aus Wasser und später aus Erdöl und – als Sekundärstufe – aus Elektrizität gewonnen. Indem jede Kultur auf der Zufuhr von Energie basiert, macht sie sich zwangsläufig von ihr abhängig. Daher gingen alle Kulturen ihrem Ende entgegen, wenn die grundlegenden Energiequellen sich erschöpften bzw. durch historische Umstände entfielen. Das Römische Reich zerfiel, als die soziale Versorgung des eigenen Volkes durch Sklaven nicht mehr gewehrleistet werden konnte.

Unsere industrielle Kultur steht knapp über dem Scheitelpunkt, da die Erdöl- und Erdgasvorkommen als Basis der Energieversorgung ihren Spitzenwert erreicht haben und in absehbarer Zeit zu Ende gehen werden. Die Statistik lehrt uns, dass die meisten physikalischen, aber auch wirtschaftlichen Vorgänge nicht abrupt beginnen und enden, sondern der Gauss‘schen Verteilungskurve folgen. Auch die Ölförderung folgt dieser Verteilung. Bis Mitte 2005 stieg sie ziemlich genau der Gauss‘schen Verteilung entsprechend an und erreichte dort ihr bisheriges Maximum. Frühere Berechnungen hatten das Fördermaximum für das Jahr 2010 errechnet. Damals war der stark wachsende Bedarf Chinas und Indiens so nicht vorhersehbar und daher auch nicht einkalkuliert worden. Insofern können wir davon ausgehen, dass wir das Fördermaximum bereits überschritten haben. Wir stehen also auf dem Zenith der Ölförderung oder knapp danach. Das heißt, wir befinden uns auf dem absteigenden Arm der Gauss‘schen Verteilung, ganz praktisch ausgedrückt: Öl wird zunehmend knapper.

Unsere Perspektive ist also, dass in den folgenden 150 Jahren die abfallende Ölförderung der gleichen Verteilung nach unten folgen wird, bis sie auf Null absinkt. Vergegenwärtigen wir uns, welche Folgen dies für die Wirtschaft allgemein und für jeden Einzelnen haben wird. Aus Erdöl wird keineswegs nur Energie gewonnen, sondern eine Vielfalt von Derivaten in Form von Kunststoffen, Farben, Dünger, Medikamenten, Kosmetik, Textilien, um nur einige zu nennen. Die Durchdringung der aus Erdöl gewonnenen Produkte unseres wirtschaftlichen und alltäglichen Lebens ist sehr tief und führt uns unsere Abhängigkeit von dieser Ressource vor Augen. Bei einer Verknappung des Rohstoffs ist eine gravierende Preissteigerung nicht nur auf dem Energiesektor, sondern in fast allen Wirtschaftszweigen zu erwarten. Es gibt alarmierende Berechnungen, die schon bei einer Differenz zwischen Nachfrage und Angebot von nur 10% gleich eine Verdoppelung des Preises, also eine Steigerung um 100% für Energie und alle Derivate vorhersagen. Diese Situation ist seit 2005 schon einmal eingetreten, jedoch stehen wohl noch einige Verdoppelungen vor uns. . Was hat 1975 der liter Benzin für unseren VW gekostet? Auf der Landsberger Str in München 49,9 Pf./liter

Literatur: Jeremy Rifkin: Die H2 Revolution, Wie der Abgang laufen könnte: Gunnar Heinsohn : Jugend und Weltmacht